Serie „Monsieur / Madame“: Popkultur durch die Brille stilisierter Papierpuppen
Von der frankobelgischen Comic-Tradition über Mangas und US-Comics bis hin zu Kunst, Geschichte, Filmikonen und Kultspielzeug: Wie ein einheitliches grafisches Grundschema und eine neutrale Haltung zum Spielfeld für eine unendliche Erkundung des Character Designs werden.

Nach der Vorstellung der ersten Entwürfe der Reihe – bis hin zum jüngsten Neuzugang, Madame QUINN | 2016 (#10) - war es an der Zeit, einen Blick ins Atelier zu gewähren und die Grundidee dieses neuen grafischen Projekts zu erläutern: die Kollektion „Monsieur / Madame“ aus der Sicht von Éric Blanchot.

Das Konzept: Die Papierpuppe als universelle Vorlage
Am Ursprung dieser Serie steht das Bestreben nach Synthese und Übertragung: Die großen Gestalten des kollektiven Vorstellungsraums werden durch eine streng kodifizierte visuelle Formensprache neu interpretiert.
Die Inspiration beruht auf dem Prinzip der „Paper Doll“ (der Anziehpuppe aus Papier):
- Eine neutrale Schaufensterfigur: eine unbewegliche Silhouette, die streng von vorne dargestellt ist.
- Der Identitätsfilter: Die Hintergrundfarbe, ein Symbol oder Logo im Hintergrund, der Schnitt, die Farbpalette und das Kostüm verkörpern die Figur auf dieser einheitlichen Vorlage.
- Zeitliche Verankerung: Jede Illustration ist mit ihrem ursprünglichen Entstehungsdatum versehen – eine Hommage an das Jahr, in dem die Ikone im kollektiven Bewusstsein entstand.
Es handelt sich nicht um eine bloße Karikatur, sondern um eine echte Übung im Character Design unter spezifischen Vorgaben: Es gilt, den Kern einer detailreichen Ikone herauszuarbeiten und in ein reduziertes Format zu übertragen – ohne dabei die Erkennbarkeit oder die Aura der Figur einzubüßen.
„Die Form reduzieren, um die Ikone freizulegen: Die Vorgaben des Formats engen die Figur nicht ein, sondern destillieren ihre visuelle Essenz und ihre historische Prägung heraus.“

Erste Ausgaben: eine Galerie ohne Grenzen
Die Vielfalt der ersten Ausgaben veranschaulicht die Philosophie des Projekts perfekt: Kein Genre ist ausgeschlossen, solange die Silhouette in einen Dialog mit ihrer Zeit tritt.
- Nº01 - Monsieur SUPER | 1938 (Comics / Heldenzeitalter)
- Nº02 - Monsieur LANTERNE | 1940 (Comics / Goldenes Zeitalter)
- Nº03 - Monsieur DE NAZARETH | 0000 (Geschichte & Ikonografie)
- Nº04 - Monsieur IMHOTEP | 1932 (Horrorfilm / Die Mumie)
- Nº05 - Madame WONDER | 1941 (Comics / Erste „Madame“ der Reihe)
- Nº06 - Monsieur ROSE | 1963 ((Animation & Film)
- Nº07 - Monsieur MALTESE | 1967 (Comics / Ligne Claire & Abenteuer)
- Nº08 - Monsieur KAKAROT | 1984 (Manga/Shōnen & Popkultur)
- N° 09 - Madame BARBIE | 1959 (Kultspielzeug / Design-, Mode- und Pop-Ikone)
- N° 10 - Madame QUINN | 2016 (Comics & Film / Moderne Zeitalter)

Und wie geht es weiter? Es verspricht, noch weitreichender zu werden. Das Ziel ist es, verschiedene Welten miteinander zu verknüpfen, sei es durch Musik, historische Persönlichkeiten, Kunstwerke, Künstler oder auch die Welt des Spielzeugs. Warum sollte man sich nicht grafische Mashups oder unerwartete Crossovers zwischen verschiedenen Epochen vorstellen – neue Zusammenstellungen und Kombinationen?

Eine offene, partizipative und herausgegebene Sammlung
Diese Serie ist als lebendiges Objekt konzipiert, das dazu bestimmt ist, in einen Dialog mit dem Publikum zu treten:
- Ein Blick hinter die Kulissen (Making-of): Bei jedem neuen Werk werden der Entstehungsprozess und die grafische Recherche Schritt für Schritt in den sozialen Netzwerken (Instagram, Facebook, Threads usw.) enthüllt.
- Interaktivität: Die schrittweise Einbeziehung von Vorschlägen aus der Community bei der Auswahl künftiger Motive.
- Nischenthemen & Porträts: Die Erkundung eigenständigerer Figuren oder die Erstellung individueller Porträts auf Bestellung, die auf demselben gestalterischen Grundkonzept basieren.
- Kunsteditionen (in Planung): Im Hinblick auf den symbolischen Meilenstein der 10. Figur stellt sich ganz natürlich die Frage nach einer Edition. Ideen gibt es reichlich, unter anderem der Wunsch, Sammlereditionen (nummerierte und signierte Kunstdrucke für Sammler) mit zugänglicheren Varianten für ein breiteres Publikum (thematisch gruppierte Postkartenserien, offene Auflagen usw.) zu kombinieren.

Fazit
Die Serie „Monsieur / Madame“ beweist einmal mehr, dass das Motiv nur ein Vorwand ist: Es sind der Blick, die Strenge der Linienführung, das Datum, das das Werk verortet, sowie die grafische Absicht, die innerhalb einer Sammlung den inneren Zusammenhalt stiften.
Weiterführendes
Erkunden Sie die Werke der Serie und werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Atelierarbeit:
→ Die Fine Art-Kollektion erkunden
→ Die Serie „Monsieur / Madame“ Instagram entdecken (#mmseriesbleart)
→ Artikel lesen: Eklektizismus als Leitmotiv: Kunst als Bindeglied
→ Artikel lesen: Von der Linie zum Raster

